Mineralstoffe und Spurenelemente

Kupfermangel: selten, aber oft übersehen

Ein Kupfermangel ist selten, denn Erwachsene brauchen nur etwa 1 bis 1,5 mg Kupfer am Tag, und Getreide, Nüsse oder Kakao liefern das leicht. Entsteht er doch, steckt meist eine Darmoperation oder eine dauerhaft hohe Zinkeinnahme dahinter. Typisch sind Blutarmut und Nervenschäden, die einem Vitamin-B12-Mangel ähneln.

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Steckbrief Kupfer

Elementsymbol
Cu (Ordnungszahl 29)
Einordnung
essenzielles Spurenelement
Schätzwert DGE, Jugendliche und Erwachsene
1,0 bis 1,5 mg pro Tag (Stand Ableitung 2000)
Gesamtbestand im Körper
etwa 70 bis 150 mg
Tolerierbare Obergrenze (UL), Erwachsene
5 mg pro Tag (SCF 2003)

Die EFSA hat 2023 zusätzlich eine tolerierbare tägliche Aufnahme (ADI) von 0,07 mg Kupfer pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.

Kupfermangel bedeutet, dass dem Körper das Spurenelement Kupfer nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Über die normale Ernährung kommt das kaum vor. Die meisten Fälle gehen auf eine gestörte Aufnahme im Darm zurück, etwa nach einer Magen-Bypass-Operation, oder auf zu viel Zink aus Präparaten. Weil die Beschwerden unspezifisch beginnen, wird ein Kupfermangel häufig spät erkannt.

Kupfer im Körper: wofür das Spurenelement gebraucht wird

Kupfer ist laut DGE ein essenzielles Spurenelement: Der Körper kann es nicht selbst bilden. Ein Erwachsener enthält insgesamt nur etwa 70 bis 150 mg Kupfer, nach Eisen und Zink ist es damit das dritthäufigste Spurenelement im Körper. Gespeichert wird es vor allem in Leber, Muskeln, Gehirn und Skelett.

Kupfer ist Bestandteil zahlreicher Enzyme:

  • Energiestoffwechsel: Die Cytochrom-c-Oxidase der Mitochondrien braucht Kupfer, um Energie aus der Nahrung bereitzustellen.
  • Schutz vor reaktivem Sauerstoff: Die Superoxiddismutase ist ein kupferhaltiges Schutzenzym.
  • Bindegewebe: Die Lysyloxidase vernetzt Kollagen und Elastin.
  • Nervensystem und Pigment: Kupferhaltige Enzyme sind an der Bildung von Botenstoffen wie Noradrenalin beteiligt; die Tyrosinase, ein Kupferenzym, wird für das Hautpigment gebraucht.
  • Eisenstoffwechsel: Kupfer wird gebraucht, damit Eisen aufgenommen und für die Blutbildung genutzt werden kann. Im Blut ist der größte Teil des Kupfers an das Transportprotein Caeruloplasmin gebunden.

Wie viel Kupfer in den Körper gelangt, regelt vor allem der Darm: Aufgenommen wird es überwiegend im oberen Dünndarm, ausgeschieden zum größten Teil über die Galle, kaum über den Urin. Gerade die Verbindung zum Eisen erklärt, warum ein Kupfermangel zu Blutarmut führen kann, die wie ein Eisenmangel aussieht, sich aber mit Eisen allein nicht beheben lässt.

Tagesbedarf: Wie viel Kupfer am Tag?

Für Kupfer gibt die DGE keinen exakt ermittelten Kupferbedarf an, sondern Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr. Für Jugendliche und Erwachsene liegen sie bei 1,0 bis 1,5 mg Kupfer pro Tag, also wenigen Milligramm.

PersonengruppeSchätzwert Kupfer pro Tag
Säuglinge 0 bis unter 4 Monate0,2 bis 0,6 mg
Säuglinge 4 bis unter 12 Monate0,6 bis 0,7 mg
Kinder 1 bis unter 7 Jahre0,5 bis 1,0 mg
Kinder 7 bis unter 15 Jahre1,0 bis 1,5 mg
Jugendliche und Erwachsene1,0 bis 1,5 mg

Quelle: DGE, Referenzwerte Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän, Stand der Ableitung 2000.

Kupfer in Lebensmitteln

Gute Kupferquellen sind laut DGE Getreideprodukte, Nüsse, grünes Gemüse, Kaffee und Tee. Daneben liefern Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Bohnen und dunkle Schokolade nennenswerte Mengen. Wer sich abwechslungsreich und mit Vollkornprodukten ernährt, erreicht die Schätzwerte in aller Regel ohne Präparate. Auch über Trinkwasser aus Kupferleitungen gelangen geringe Mengen in den Körper.

Ursachen: Wie entsteht ein Kupfermangel?

Ein reiner Ernährungsmangel ist selten. Häufiger sind Situationen, in denen der Darm Kupfer nicht ausreichend aufnimmt oder etwas die Aufnahme blockiert:

  • Magen-Bypass und andere Operationen zur Gewichtsreduktion: Sie gelten heute als wichtigste Ursache, vor allem wenn der Zwölffingerdarm umgangen wird. Dort wird Kupfer hauptsächlich aufgenommen.
  • Zu viel Zink: Hohe Zinkmengen hemmen die Kupferaufnahme im Darm. Zink regt in den Darmzellen die Bildung von Metallothionein an. Dieses Protein bindet Kupfer besonders fest und hält es in der Darmzelle zurück. Wenn sich die Darmschleimhaut erneuert, geht das gebundene Kupfer mit den abgestoßenen Zellen verloren. Hohe Zinkmengen stammen meist aus Nahrungsergänzungsmitteln, in beschriebenen Fällen auch aus zinkhaltigen Haftcremes für Zahnprothesen.
  • Darmerkrankungen mit gestörter Aufnahme, etwa Zöliakie.
  • Langfristige künstliche Ernährung über die Vene, wenn zu wenig Kupfer zugesetzt wird.
  • Medikamente: Für das Antiepileptikum Valproinsäure ist ein Kupfermangel beschrieben.
  • Angeborene Störungen: Beim seltenen, genetisch bedingten Menkes-Syndrom kann der Körper Kupfer nicht richtig verwerten. Es fällt schon bei Säuglingen und Kleinkindern durch Entwicklungsverzögerungen und Krampfanfälle auf.

In einem Teil der Fälle findet sich keine Ursache. Wie Zink und Kupfer sich gegenseitig beeinflussen, beschreibt auch der Beitrag über Zink.

Symptome eines Kupfermangels

Ein Kupfermangel zeigt sich vor allem an Blut und Nervensystem. Die Veränderungen im Blutbild gehen den Nervenschäden meist voraus.

Blut:

  • Blutarmut (Anämie), oft mit großen roten Blutkörperchen, manchmal aber auch wie bei Eisenmangel
  • zu wenige weiße Blutkörperchen, besonders Neutrophile; das kann das Immunsystem schwächen
  • seltener zu wenige Blutplättchen

Nerven:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Füßen und Händen
  • Gangunsicherheit und Schwäche, betont in den Beinen
  • Schäden am Rückenmark (Myelopathie), die einem Vitamin-B12-Mangel zum Verwechseln ähnlich sein können
  • seltener Sehstörungen durch eine Schädigung des Sehnervs

Langfristig kann ein Kupfermangel außerdem den Knochen schwächen. Weil die Blutwerte einem myelodysplastischen Syndrom, einer Erkrankung des Knochenmarks, ähneln können, ist die richtige Diagnose wichtig.

Wie wird ein Kupfermangel festgestellt?

Ärztinnen und Ärzte bestimmen die Kupferkonzentration im Serum und das Transportprotein Caeruloplasmin; beide sind bei einem Kupfermangel erniedrigt. Da Caeruloplasmin ohne gebundenes Kupfer rasch abgebaut wird, sinkt es zusammen mit dem Kupferspiegel. Häufig wird gleichzeitig der Zinkspiegel gemessen, weil ein erhöhter Zinkwert auf die Ursache hinweisen kann. Nach Behandlungsbeginn normalisiert sich das Blutbild meist rasch, die Nervenschäden bilden sich dagegen nur langsam und oft nicht vollständig zurück. Deshalb lohnt es sich, bei passenden Beschwerden nach einer Operation oder unter hoch dosiertem Zink früh daran zu denken.

Kupfer als Nahrungsergänzungsmittel

Für gesunde Menschen mit gemischter Kost sind Kupferpräparate in der Regel unnötig. Die tolerierbare Obergrenze für Erwachsene liegt bei 5 mg Kupfer pro Tag aus allen Quellen; die EFSA hat 2023 zusätzlich eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 0,07 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, das sind bei 70 kg rund 4,9 mg. Mehr ist also nicht besser. Bei der erblichen Wilson-Krankheit (Morbus Wilson) kann der Körper Kupfer nicht ausreichend über die Galle ausscheiden; es reichert sich in Leber und Gehirn an. Betroffene dürfen keine Kupferpräparate einnehmen.

Ein festgestellter Kupfermangel wird gezielt und unter ärztlicher Kontrolle behandelt, in der Regel mit Kupfer zum Einnehmen, bei gestörter Aufnahme im Darm auch über die Vene. Nach Operationen zur Gewichtsreduktion gehört Kupfer zur empfohlenen Nachsorge. Liegt die Ursache in zu viel Zink, steht das Absetzen des Zinkpräparats am Anfang. Selbstbehandlung auf Verdacht ist keine gute Idee.

Kurz zusammengefasst

  • Erwachsene brauchen laut DGE etwa 1,0 bis 1,5 mg Kupfer am Tag; Getreide, Nüsse, grünes Gemüse, Kaffee und Tee liefern es.
  • Kupfermangel ist selten und entsteht meist durch Magen-Bypass-Operationen, Darmerkrankungen oder dauerhaft zu viel Zink.
  • Typisch sind Blutarmut, zu wenige weiße Blutkörperchen sowie Kribbeln, Taubheit und Gangunsicherheit.
  • Die Diagnose stützt sich auf Kupfer und Caeruloplasmin im Blut.
  • Präparate nur nach ärztlicher Abklärung; die Obergrenze liegt bei 5 mg pro Tag.

Kupfer ist eines von mehreren Spurenelementen, deren Zusammenspiel zählt. Einen Überblick gibt die Seite Mineralstoffe.

Quellen

  1. DGE: Referenzwerte Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän (öffnet in neuem Tab) Schätzwerte nach Alter, Funktionen, gute Kupferquellen
  2. EFSA: Summary of Tolerable Upper Intake Levels (Stand 2025) (öffnet in neuem Tab) UL Kupfer 5 mg pro Tag für Erwachsene (SCF 2003), ADI 0,07 mg/kg Körpergewicht (EFSA 2023)
  3. Wikipedia: Kupfermangel (öffnet in neuem Tab) Ursachen, Zusammenspiel mit Zink, klinisches Bild, Diagnostik, Verlauf unter Behandlung; mit Einzelnachweisen
  4. Wikipedia: Morbus Wilson (öffnet in neuem Tab) Erbliche Störung der Kupferausscheidung