Mineralstoffe und Spurenelemente

Jod: warum Deutschland ein mildes Jodmangelgebiet bleibt

Jod ist Baustein der Schilddrüsenhormone. Weil deutsche Böden jodarm sind, erreicht etwa ein Drittel der Erwachsenen den geschätzten Bedarf nicht. Jodsalz, Seefisch und Milchprodukte machen den Unterschied.

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Ein weißes Heilbuttfilet liegt auf einem rosafarbenen Lachsfilet auf einem Holzbrett
Heilbutt- und Lachsfilet: Seefisch gehört zu den besten natürlichen Jodquellen. Foto: gran (Wikimedia Commons, öffnet in neuem Tab), CC BY 3.0 (Lizenztext, öffnet in neuem Tab)

Steckbrief Jod

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I (Ordnungszahl 53)
Einordnung
Spurenelement
Empfehlung DGE, Erwachsene
150 µg pro Tag (seit 2025)
Schwangere / Stillende
220 µg / 230 µg pro Tag
BfR-Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln
100 µg pro Tagesdosis; 150 µg für Schwangere und Stillende (Stand 2025)
Obergrenze (UL) laut EFSA-Übersicht
600 µg pro Tag für Erwachsene

Jod (Symbol I, im internationalen Schriftgebrauch Iod) ist ein Halogen und ein lebensnotwendiges Spurenelement. Der Körper braucht es für genau eine, aber zentrale Aufgabe: Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone steuern Stoffwechsel, Wachstum und die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem, besonders vor der Geburt und in der Kindheit.

Warum Deutschland ein Jodmangelgebiet ist

Jod gelangt aus dem Meer in die Umwelt. In vielen Binnenregionen wurde es nach der letzten Eiszeit aus den Böden ausgewaschen. Laut DGE sind die Böden in Deutschland jodarm, und entsprechend wenig Jod enthalten pflanzliche Lebensmittel.

Früher stufte die Weltgesundheitsorganisation Deutschland als mäßiges bis schweres Jodmangelgebiet ein. Durch die Verwendung von Jodsalz hat sich die Lage verbessert, Deutschland gilt heute aber noch immer als mildes Jodmangelgebiet. Laut DGE liegen etwa 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Jodzufuhr unter dem von der WHO geschätzten mittleren Bedarf.

Wie viel Jod am Tag? Der neue Referenzwert

2025 hat die DGE den Referenzwert für Jod neu abgeleitet: Erwachsene sollen 150 µg pro Tag aufnehmen. Bisher galten 200 µg (unter 51 Jahren) und 180 µg (ab 51 Jahren). Der niedrigere Wert bedeutet nicht, dass der Körper weniger Jod braucht. Laut DGE wurde bei der früheren Ableitung im Jahr 2000 ein Zuschlag eingerechnet, um die unzureichende Jodversorgung in Deutschland und Österreich zu verbessern; die Vorgehensweise der Ableitung selbst hat sich kaum geändert.

PersonengruppeEmpfohlene Zufuhr pro Tag
Erwachsene ab 19 Jahren150 µg
Schwangere220 µg
Stillende230 µg

Quelle: DGE, Referenzwerte Jod, Stand der Ableitung 2025.

Jod in Schwangerschaft und Stillzeit

Die DGE empfiehlt Schwangeren, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz täglich ein Präparat mit 100 µg (bis 150 µg) Jod einzunehmen, Stillenden ein Präparat mit 100 µg. Bei Schilddrüsenerkrankungen soll vorher ärztlich geklärt werden, ob und wie viel Jod sinnvoll ist. Das NIH ODS beschreibt Jodmangel als weltweit häufigste vermeidbare Ursache geistiger Entwicklungsstörungen; deshalb ist die Versorgung in der Schwangerschaft so wichtig.

Lebensmittel mit Jod

Laut DGE tragen vor allem bei:

  • Seefisch und Meeresfrüchte, die besten natürlichen Jodquellen
  • Milch und Milchprodukte sowie Eier, deren Jodgehalt von der Fütterung der Tiere abhängt
  • jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel, etwa Brot und Wurst

Im Haushalt lohnt es sich, ausschließlich Jodsalz zu verwenden und beim Einkauf von Brot und anderen gesalzenen Produkten auf „Jodsalz" in der Zutatenliste zu achten. Das bedeutet nicht, mehr Salz zu essen: Die Menge bleibt gleich, nur die Sorte ändert sich. Meersalz, Steinsalz oder sogenannte Kristallsalze enthalten ohne Jodzusatz kaum Jod.

Jodmangel erkennen

Neben unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit ist eine Vergrößerung der Schilddrüse, der Kropf (Struma), das sichtbare Zeichen eines Jodmangels. Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich nicht an Symptomen ablesen, sondern nur ärztlich beurteilen, etwa über Schilddrüsenwerte oder eine Ultraschalluntersuchung.

Zu viel Jod: Algen und Präparate

Über normale Lebensmittel und Jodsalz ist eine Überversorgung in Deutschland kaum möglich. Jodsalz darf derzeit höchstens 25 mg Jod pro Kilogramm enthalten. Risiken entstehen an anderer Stelle:

  • Algen und Algenprodukte: Der Jodgehalt schwankt laut DGE stark. Einige getrocknete Algen enthalten so viel Jod, dass schon kleine Mengen die Obergrenze überschreiten können. Algen mit deklariertem Jodgehalt erlauben eine Abschätzung.
  • Hoch dosierte Präparate: Das BfR schlägt seit 2025 eine Höchstmenge von 100 µg pro Tagesdosis vor, für Schwangere und Stillende 150 µg. Eine zusätzliche Anreicherung weiterer Lebensmittel mit Jod empfiehlt das BfR nicht.

Die tolerierbare Obergrenze liegt laut EFSA-Übersicht bei 600 µg pro Tag für Erwachsene. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, etwa Knoten oder Autoimmunerkrankungen, können empfindlicher reagieren und sollten Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Kurz zusammengefasst

  • Jod ist Baustein der Schilddrüsenhormone und für die Entwicklung des Gehirns unverzichtbar.
  • Die DGE empfiehlt seit 2025 für Erwachsene 150 µg Jod pro Tag, für Schwangere 220 µg und für Stillende 230 µg.
  • Jodsalz, Seefisch und Milchprodukte sind die wichtigsten Jodquellen in Deutschland.
  • Schwangere und Stillende sollen zusätzlich ein Jodpräparat einnehmen, bei Schilddrüsenerkrankungen nach ärztlicher Rücksprache.
  • Getrocknete Algen können gefährlich viel Jod enthalten.

In der Schilddrüse arbeitet Jod mit Selen zusammen. Alle Mineralstoffe und Spurenelemente im Überblick zeigt die Übersichtsseite.

Quellen

  1. DGE: Referenzwerte Jod (öffnet in neuem Tab) Empfehlungen (Stand Ableitung 2025), Jodquellen, Hinweise zu Schwangerschaft und Stillzeit
  2. DGE: Neue Referenzwerte für Jod und Vitamin E (Pressemeldung 2025) (öffnet in neuem Tab)
  3. DGE: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Jod (öffnet in neuem Tab) Jodversorgung in Deutschland, Algen
  4. BfR: Aktualisierung (2025) der Höchstmengenvorschläge für Jod, Stellungnahme 065/2025 (öffnet in neuem Tab)
  5. EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels (Version 11, 2025) (öffnet in neuem Tab)
  6. NIH Office of Dietary Supplements: Iodine, Fact Sheet for Health Professionals (öffnet in neuem Tab)