Mineralstoffe und Spurenelemente

Chrom in der Ernährung: was über das Spurenelement bekannt ist

Kein Spurenelement ist wissenschaftlich so umstritten wie Chrom. Die DGE nennt einen Schätzwert, die EFSA sah keine Grundlage für eine Zufuhrempfehlung. Für gesunde Menschen gibt es keinen belegten Grund für Chrompräparate.

Aktualisiert am Zahlen mit den Quellen abgeglichen am Redaktion dmf-international.de, so arbeiten wir

Steckbrief Chrom

Elementsymbol
Cr (Ordnungszahl 24)
Einordnung
Spurenelement; Nutzen umstritten
Schätzwert DGE
30 bis 100 µg pro Tag (Stand der Ableitung 2000)
EFSA (2014)
keine Zufuhrempfehlung, auch kein Schätzwert ableitbar
BfR-Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln
60 µg pro Tagesdosis

Alle Werte betreffen dreiwertiges Chrom, Cr(III). Sechswertiges Chrom ist kein Nährstoff, sondern giftig.

Wer „Chrom" hört, denkt an glänzende Armaturen. Als Nährstoff ist etwas anderes gemeint: dreiwertiges Chrom, chemisch Cr(III), das in Spuren in vielen Lebensmitteln vorkommt. Davon streng zu unterscheiden ist sechswertiges Chrom, Cr(VI), eine giftige und krebserzeugende Form, die in Industrieprozessen entsteht. Mit Ernährung hat Cr(VI) nichts zu tun; alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf Cr(III).

Auf der früheren Version dieser Website wurde „Chrompicolinat" als Mineralstoff vorgestellt. Chrompicolinat ist aber kein eigener Nährstoff, sondern eine Verbindung aus Chrom und Picolinsäure, die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird.

Ist Chrom überhaupt lebensnotwendig?

Diese Frage ist wissenschaftlich offen, und die Fachgremien beantworten sie unterschiedlich:

  • Die DGE gibt seit 2000 einen Schätzwert von 30 bis 100 µg pro Tag für Jugendliche und Erwachsene an. Sie beschreibt eine wichtige Funktion im Kohlenhydratstoffwechsel.
  • Die EFSA kam 2014 zu dem Schluss, dass sich für Chrom weder ein durchschnittlicher Bedarf noch eine empfohlene Zufuhr ableiten lässt und dass auch die Festlegung einer angemessenen Zufuhrmenge (Adequate Intake) nicht angemessen ist.
  • Das US-amerikanische NIH Office of Dietary Supplements berichtet, dass die National Academies Chrom 2001 wegen seiner Wirkung auf die Insulinwirkung als essenziell einstuften, neuere Forschung diese Einstufung aber infrage stellt.

Ein Chrommangel durch die normale Ernährung ist beim Menschen nicht zweifelsfrei beschrieben. Berichte über Mangelerscheinungen stammen im Wesentlichen von Menschen, die über lange Zeit ausschließlich künstlich über die Vene ernährt wurden.

Lebensmittel mit Chrom

Die DGE nennt Fleisch, Eier, Haferflocken und Tomaten als chromhaltige Lebensmittel. Die genauen Gehalte schwanken stark. Wer sich abwechslungsreich ernährt, muss sich um Chrom keine Gedanken machen.

Chrompicolinat gegen Blutzucker und Übergewicht?

Chrompräparate werden häufig mit Versprechen zu Blutzucker, Heißhunger oder Gewichtsabnahme beworben. Die Studienlage rechtfertigt solche Versprechen nicht:

  • Effekte auf das Körpergewicht waren in Studien, wenn überhaupt, sehr klein und für den Alltag ohne Bedeutung.
  • Für Menschen mit Diabetes sind die Ergebnisse uneinheitlich. Chrom ersetzt keine Diabetesbehandlung; wer Blutzucker senkende Medikamente nimmt, sollte Präparate nicht ohne ärztliche Rücksprache ergänzen.
  • Laut NIH ODS verringerte Chrompicolinat in einer kleinen Studie die Aufnahme von Levothyroxin, einem Schilddrüsenmedikament, wenn beides gleichzeitig eingenommen wurde.

Wie viel ist zu viel?

Für dreiwertiges Chrom konnte keine tolerierbare Obergrenze festgelegt werden, weil die Daten nicht ausreichen. Die EFSA hat 2010 eingeschätzt, dass eine zusätzliche Aufnahme von bis zu 250 µg Cr(III) pro Tag gesundheitlich unbedenklich ist. Davon leitet das BfR für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 60 µg pro Tagesdosis ab.

Kurz zusammengefasst

  • Als Nährstoff ist nur dreiwertiges Chrom gemeint; sechswertiges Chrom ist giftig.
  • Ob Chrom für den Menschen essenziell ist, ist umstritten: Die DGE nennt 30 bis 100 µg pro Tag, die EFSA sah keine Grundlage für einen Referenzwert.
  • Ein ernährungsbedingter Chrommangel ist nicht belegt.
  • Chrompicolinat hilft nach heutiger Studienlage nicht nennenswert beim Abnehmen und ersetzt keine Diabetestherapie.

Wie sich Mengen- und Spurenelemente unterscheiden, erklärt die Übersicht Mineralstoffe und Spurenelemente. Warum ein Element wie Chrom in der Ernährung etwas völlig anderes bedeutet als ein Chrommineral im Gestein, steht im Beitrag Mineralstoff oder Mineral?.

Quellen

  1. DGE: Referenzwerte Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän (öffnet in neuem Tab) Schätzwert 30 bis 100 µg, Lebensmittel
  2. EFSA NDA Panel (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for chromium (öffnet in neuem Tab)
  3. BfR: Höchstmengenvorschläge für Chrom in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (öffnet in neuem Tab) Höchstmenge 60 µg, Orientierungswert 250 µg zusätzliche Aufnahme
  4. NIH Office of Dietary Supplements: Chromium, Fact Sheet for Health Professionals (öffnet in neuem Tab) Essenzialität umstritten, Wechselwirkung mit Levothyroxin
  5. EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels (Version 11, 2025) (öffnet in neuem Tab)