Mineralogie und Kristalle

Feldspat: die häufigste Mineralgruppe der Erdkruste

Feldspäte bilden den größten Teil vieler Gesteine, vom Granit bis zum Basalt. Wer sie erkennen kann, versteht einen Großteil der Gesteinswelt. Entscheidend sind zwei glatte Spaltflächen und eine Härte knapp unter Quarz.

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Hellbraun-rosafarbene Orthoklaskristalle mit kantigen, prismatischen Formen vor schwarzem Hintergrund
Orthoklas, ein Kalifeldspat, aus Minas Gerais, Brasilien; etwa 27 × 17 cm. Foto: Didier Descouens (Wikimedia Commons, öffnet in neuem Tab), CC BY-SA 4.0 (Lizenztext, öffnet in neuem Tab)

Steckbrief Feldspatgruppe

Chemie
Alumosilikate von Kalium, Natrium und Calcium, z. B. KAlSi3O8 (Orthoklas)
Mineralklasse
Silikate, Gerüstsilikate
Kristallsystem
monoklin (Orthoklas, Sanidin) oder triklin (Mikroklin, Plagioklase)
Mohshärte
6 bis 6,5
Dichte
etwa 2,55 bis 2,76 g/cm³
Spaltbarkeit
zwei gute bis vollkommene Spaltrichtungen, nahezu rechtwinklig
Glanz und Strich
Glasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig; Strich weiß

„Feldspat" ist kein einzelnes Mineral, sondern der Name einer Mineralgruppe. Alle Feldspäte sind Gerüstsilikate: Tetraeder aus Silicium und Sauerstoff, in denen ein Teil des Siliciums durch Aluminium ersetzt ist, verbinden sich zu einem dreidimensionalen Gerüst. In den Lücken sitzen Kalium-, Natrium- oder Calcium-Ionen. Welche davon eingebaut sind, bestimmt die Art des Feldspats.

Feldspäte sind die häufigste Mineralgruppe der Erdkruste. Sie stecken in Granit, Gneis, Basalt und vielen anderen Gesteinen und verwittern mit der Zeit zu Tonmineralen. Ein großer Teil der Böden geht damit letztlich auf Feldspat zurück.

Die zwei großen Reihen

ReiheEndgliederTypische MineraleKristallsystem
AlkalifeldspäteKalium- und NatriumfeldspatOrthoklas, Mikroklin, Sanidin (Kalifeldspäte); Albitmonoklin oder triklin
PlagioklaseAlbit (Natrium) bis Anorthit (Calcium)Albit, Oligoklas, Andesin, Labradorit, Bytownit, Anorthittriklin

Albit gehört als Natrium-Endglied zu beiden Reihen. Zwischen Albit und Anorthit gibt es lückenlose Mischungen; die Namen dazwischen bezeichnen Abschnitte dieser Mischreihe.

Was die Namen bedeuten

Die Namen beschreiben oft genau das wichtigste Merkmal. Laut Handbook of Mineralogy kommt Orthoklas vom Griechischen für „gerade" und „Bruch", weil seine beiden Spaltflächen im rechten Winkel aufeinanderstehen. Mikroklin bedeutet etwa „wenig geneigt": Bei ihm weicht der Winkel minimal von 90 Grad ab. Albit kommt vom lateinischen albus, weiß.

Feldspat erkennen

  • Härte 6 bis 6,5: Feldspat ritzt Glas, wird aber von Quarz geritzt. Ein Messer hinterlässt keine Spur.
  • Spaltbarkeit: Zwei Spaltrichtungen, die sich annähernd rechtwinklig schneiden. Im Gestein blitzen deshalb kleine, ebene Flächen auf, wenn man das Stück im Licht dreht. Quarz zeigt das nicht.
  • Farbe: Kalifeldspäte sind oft fleischrot, rosa oder cremeweiß, Plagioklase meist weiß bis grau.
  • Zwillingsstreifung bei Plagioklas: Auf Spaltflächen von Plagioklas sieht man mit der Lupe oft feine, parallele Riefen. Sie entstehen durch vielfache Verzwillingung und sind ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu Kalifeldspat.

Feldspat im Granit

Granit besteht im Wesentlichen aus drei Mineralen. Mit etwas Übung lassen sie sich mit bloßem Auge unterscheiden:

MineralAussehen im Granit
Feldspatweiß, rosa oder rötlich; ebene, glänzende Spaltflächen; oft rechteckige Körner
Quarzgrau, glasig, durchscheinend; unregelmäßige Körner ohne Spaltflächen
Glimmerschwarze (Biotit) oder silbrige (Muskovit) Blättchen, die sich mit dem Fingernagel abheben lassen

Die Farbe eines Granits stammt meist vom Feldspat: Rote Granite verdanken ihre Farbe rötlichem Kalifeldspat.

Bekannte Varietäten und Sammlersteine

  • Amazonit: grüner bis blaugrüner Mikroklin.
  • Mondstein: Feldspat mit bläulichem oder weißem Lichtschimmer, der durch Lichtstreuung an feinen, wechselnden Schichten zweier Feldspäte entsteht.
  • Labradorit: Plagioklas mit intensivem, buntem Farbenspiel (Labradorisieren) auf bestimmten Flächen.
  • Sonnenstein: Feldspat mit glitzernden Einschlüssen, die das Licht reflektieren.

Für die Industrie ist Feldspat ein wichtiger Rohstoff für Keramik, Porzellan und Glas.

Kurz zusammengefasst

  • Feldspat ist eine Gruppe von Gerüstsilikaten mit Kalium, Natrium oder Calcium.
  • Man unterscheidet Alkalifeldspäte (z. B. Orthoklas, Mikroklin) und Plagioklase (Albit bis Anorthit).
  • Merkmale: Härte 6 bis 6,5, zwei nahezu rechtwinklige Spaltrichtungen, Glasglanz.
  • Im Granit ist Feldspat das Mineral mit den glänzenden ebenen Flächen, Quarz das glasige ohne Spaltflächen.

Im Granit sitzt Feldspat fast immer neben Quarz. Warum Orthoklas monoklin und Mikroklin triklin ist, erklärt der Beitrag über Kristallsysteme.

Quellen

  1. Handbook of Mineralogy: Orthoclase (öffnet in neuem Tab) Kristalldaten, Spaltbarkeit, Namensherkunft
  2. Handbook of Mineralogy: Microcline (öffnet in neuem Tab)
  3. Handbook of Mineralogy: Albite (öffnet in neuem Tab)
  4. Handbook of Mineralogy: Anorthite (öffnet in neuem Tab)