Grundlagen
Mineralstoff oder Mineral? Warum das nicht dasselbe ist
Auf Nahrungsergänzungsmitteln steht „Mineralien", in der Vitrine liegen Mineralien. Gemeint sind zwei verschiedene Dinge. Wer den Unterschied kennt, durchschaut Werbeversprechen und versteht beide Fachgebiete besser.
Zwei Wörter, zwei Fachgebiete
Im Alltag fallen beide Begriffe ständig durcheinander. Fachlich sind sie klar getrennt:
| Mineralstoff | Mineral | |
|---|---|---|
| Fachgebiet | Ernährungswissenschaft, Physiologie | Mineralogie, Geologie |
| Was ist gemeint? | ein chemisches Element, das der Körper als Nährstoff braucht | ein natürlich gebildeter, kristalliner Festkörper mit bestimmter Chemie und Struktur |
| Form | Ionen und Verbindungen in Lebensmitteln und im Körper | Kristalle und Körner in Gesteinen |
| Beispiele | Calcium, Magnesium, Eisen, Zink, Jod | Calcit, Quarz, Pyrit, Fluorit, Feldspat |
| Wer legt Begriffe fest? | z. B. die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit ihren Referenzwerten | die Internationale Mineralogische Assoziation (IMA) |
| Maßeinheit im Alltag | Milligramm oder Mikrogramm pro Tag | Härte, Dichte, Kristallsystem |
Wenn auf einer Packung „Mineralien" steht, sind also Mineralstoffe gemeint. Das Wort „Mineralien" ist im Deutschen als Plural von „Mineral" verbreitet; „Minerale" ist die fachsprachliche Form.
Gleiche Elemente, ganz verschiedene Dinge
Die Verwechslung hat einen nachvollziehbaren Grund: Viele Elemente kommen in beiden Welten vor.
Calcium und Calcit
Calcium ist ein Mineralstoff. Der Körper braucht davon laut DGE etwa 1000 mg am Tag, vor allem für Knochen und Zähne. Calcit ist ein Mineral aus Calciumcarbonat, CaCO₃, das Kalkstein und Marmor aufbaut. Der Knochen enthält kein Calcit, sondern ein Calciumphosphat. Wer Calcium braucht, findet es in Milchprodukten, grünem Gemüse oder calciumreichem Mineralwasser, nicht in einem Stück Marmor. Mehr dazu bei Calcium und Calcit.
Eisen und Pyrit
Eisen ist ein Spurenelement, das der Körper für den Sauerstofftransport im Blut braucht. Pyrit ist ein Eisensulfid-Mineral, FeS₂, das als „Katzengold" bekannt ist. Das Eisen darin ist fest im Kristall gebunden und für den Körper nicht verfügbar. Mehr dazu bei Eisen und Pyrit.
Magnesium und Magnesit
Auch für Magnesium gibt es ein gleichnamiges Mineral, Magnesit (Magnesiumcarbonat). Magnesit wird industriell abgebaut, etwa für feuerfeste Materialien. Als Magnesiumquelle für die Ernährung spielt der Kristall keine Rolle, wohl aber Vollkorn, Nüsse und Hülsenfrüchte. Siehe Magnesium.
Woher kommt die Verwechslung?
Historisch bezeichnete „Mineral" alles, was aus der unbelebten Natur stammt, im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren. Mineralstoffe heißen so, weil sie anorganisch sind und nach dem Verbrennen eines Lebensmittels als Asche zurückbleiben. In dieser Bedeutung wurden sie früher auch „Mineralsalze" genannt.
Die Werbung nutzt die Nähe der Begriffe. Bilder von glitzernden Kristallen auf Nahrungsergänzungsmitteln oder Formulierungen wie „Kraft der Mineralien" verbinden die Ästhetik der Geologie mit einem Ernährungsprodukt. Sachlich hat das eine mit dem anderen wenig zu tun.
Liefern Steine Mineralstoffe?
Nein, zumindest nicht in nennenswertem und sicherem Maß. Minerale im Gestein sind meist sehr schwer löslich; genau deshalb überdauern sie Jahrmillionen. Der Körper kann die Elemente aus einem Kristall nicht einfach herauslösen. Pflanzen nehmen Mineralstoffe aus dem Boden auf, in den sie über lange Zeiträume durch Verwitterung von Gesteinen gelangt sind. Über Pflanzen und Tiere gelangen sie dann in unsere Nahrung.
Wasser ist der einzige Weg, auf dem gelöste Mineralstoffe aus dem Gestein direkt nutzbar werden: Mineralwasser enthält Calcium, Magnesium und andere Ionen, die beim Durchsickern durch Gesteinsschichten gelöst wurden. Das ist aber etwas anderes, als Steine in ein Glas Wasser zu legen. Warum das bei manchen Mineralen sogar gefährlich sein kann, erklärt der Beitrag über Heilsteine.
So nutzen Sie diese Website
Die beiden Bereiche sind bewusst getrennt:
- Mineralstoffe: Nährstoffe, Bedarf, Lebensmittel, Mangel und Präparate, mit Quellen wie DGE, BfR und EFSA.
- Mineralogie: Minerale und Kristalle, ihre Eigenschaften, Bestimmung und Bedeutung, mit mineralogischen Referenzwerken.
Wo es sachlich sinnvoll ist, verweisen die Beiträge aufeinander, etwa von Calcium zu Calcit. Gesundheitliche Wirkungen werden nur im Bereich Mineralstoffe und nur mit Quellen beschrieben.
Quellen
- DGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (öffnet in neuem Tab)
- DGE: Referenzwerte Calcium (öffnet in neuem Tab)
- IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) (öffnet in neuem Tab)
- Handbook of Mineralogy: Calcite (öffnet in neuem Tab)
- Handbook of Mineralogy: Pyrite (öffnet in neuem Tab)